[19/08/27] Brasilianischer Ballermann

Der Praia da Porto da Barra ist ein kleiner aber sehr beliebter Strand in Salvador. Auch an einem sonnige Wochentag im brasilianischen Winter ist der Strand gut gefüllt.
Sobald sich ein Gesicht über der Kaibrüstung zeigt geht das synchrone Geschreie der Stühle bzw. Schirmchenvermieter los. Insbesondere wenn ein scheinbar unschuldig-planloses Gesicht eines weißen Touristen in der Gruppe ist. Da alle ziemlich genau das gleiche anbieten scheinen sie überzeugt zu sein, dass derjenige den Kunden gewinnt der am lautesten schreit. Auf dem kurzen Weg hinunter zum Strand kommt man sich dementsprechend vor wie eine Kuh auf dem Weg zum Melkstandt. Dieses eher punktuelle Gebrülle der Schirmchenverleiher übertönt dann auch den eigentlichen Soundteppich der sich aus mitgebrachten Lautsprechern, angeregten Unterhaltungen und den Werberufen der Verkäufer*innen zusammensetzt. Im Hintergrund kann bei konzentriertem zuhören auch noch das rauschen des Meeres vernommen werden.

Hunderte Gäste verzehren hier am Strand Queijo coalho, Acarajé, Picolé, Castanhas und Unmengen Bier. Um so fortgeschrittener der Tag um so farbiger die Gesichter – ob von der Sonne oder vom Alkohol lässt sich nicht wirklich differenzieren.
Einige wenige stürzen sich tatsächlich ins Meer oder spielen ein bißchen Fußball am immer kleineren werdenden Strand (die Flut kommt).

Eine aufdringliche und offensichtlich betrunkene Dosensammlerin schüttet auf einem Tischchen um den ein paar Freunde sitzen die halbvollen Dosen in die Becher auf dem Tischchen und als ale Becher voll sind schüttet sie das Bier sich selbst in den Hals. Keiner der Biereigentümer scheint sich zu kümmern – ich glaube sie haben einfach keine Lust von ihr vollgelabert zu werden und lassen sie machen.

Eine Haschischfahne verfeinert den Salzgeruch des Meeres. Meine Begleitung kommt zurück aus dem Wasser und wir ziehen uns langsam und unauffällig zurück. Der Schirmchenvermieter, der auch gleichzeitig noch einen kleinen Getränkekiosk betreibt bringt uns eine völlig überteuerter Rechnung. Wir kennen aber die Preise schon und drücken ihm 2/3 des Endpreises in die Hand. Der Protest fällt nicht besonders ausführlich aus – beim Berlassen des Strands gibt er mir noch die Hand mit dem entschuldigenden Kommentar “desculpa qualquer coisa“.

Ich bin erstmal bedient. (Stadt-) Strände sind für mich für den weiteren Brasilien Aufenthalt gestorben…

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