[19/08/02] Grupo Ruas e Praças, Recife

Gestern haben wir die Grupo Ruas e Praças in Recife besucht. Dank der Vermittlung der KoBra Mitgliedsgruppe AG Recife konnten wir recht spontan ein Treffen in den Räumen des Projekts organisieren. Drei Mitarbeiter*innen des Projekts erklärten uns die Aktivitäten des Projekts und wir sprachen darüber wie die politischen Veränderung des vergangenen Jahres sich auf die Arbeit der Organisation auswirkt.

Einer der Arbeitsbereiche der Gruppe umfaßt die Familienberatung. Die Familien werden im Rahmen von Hausbesuchen über ihre Rechte aufgeklärt und es wird ihnen Unterstützung angeboten bei der Einforderung ihrer Rechte. Gerade in diesem Bereich gab es seit dem Amtsantritt von Bolsonaro zahlreiche Verschlechterungen. Zahlreiche Sozialleistungen wurden massiv gekürzt. Das bedeutet, dass Kinder und Jugendliche nicht mehr zur Schule gehen können weil nicht mehr durch Stipendien unterstützt werden. Auch diejenigen die bisher nicht in den Genuß eines Stipendiums gekommen waren sehen sich teilweise gezwungen die Schule zu verlassen um zum Familieneinkommen beizutragen. Außerdem wurden zahlreiche Verwaltungsvorgänge von der neuen Regierung verkompliziert. Online Formulare für gewisse Vorgänge wurden vom Netz genommen. Für den gleichen Vorgang muß nun ein persönlicher Termin ausgemacht werden, der dann kurzfristig mehrfach verschoben wird und am Ende ist das erforderliche Formular leider gerade nicht vorhanden. Schon in der Kampagne hatte Bolsonaro angekündigt die Anforderungen an die Verwaltungsprozesse zu erhöhen mit dem erklärten Ziel, daß weniger Menschen ihre Rechte wahrnehmen.

“Bolsonaro bringt das schlechte in uns allen hervor”

Dieses Zitat fiel in der Runde mehrfach und bezieht sich nicht nur auf die Wähler*innen von Bolsonaro die sich durch seine sexistischen, rassistischen und homophoben Sprüche ermächtigt fühlen ihre eigenen Vorurteile zu verbalisieren. Es trifft auch gerade auf uns, seine politischen Gegner, zu. Wenn wir über ihn sprechen dehumanisieren wir ihn indem wir ihn als “Monster” oder ähnliches bezeichnen. Wir streiten uns innerhalb unserer Freundeskreise, ja sogar innerhalb unserer Familie. Brechen Kontakt mit Menschen ab, weil wir es einfach nicht verstehen können wie sie einen solchen Politiker unterstützten können. Die Verantwortliche des Familienprogramms von der Grupo Ruas e Praças zeigte sich in der Retrospektive geschockt darüber wie es Bolsonaro geschafft hat während des Wahlkampfs einen Keil zwischen sie und ihre Kinder zu treiben. Politische Diskussionen innerhalb der Familie führten bei ihr zu hohem Blutdruck und autoritärem Verhalten das sie eigentlich überhaupt nicht befürwortet.

Heute Vormittag treffen wir einige der Jugendlichen die gestern noch auf einem zweitägigen Seminar waren um aus ihrer Perspektive zu erfahren was das Projekt für sie bedeutet.

One Reply to “[19/08/02] Grupo Ruas e Praças, Recife”

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *